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Schachgeschichten 

 

 

09.12.2013

Genießer

 

„Mama, warum rast der denn so?“, fragt mein Sohn. Wir mümmeln Kekse und schauen uns ein Ski-Abfahrtsrennen im Fernsehen an. „Na, weil er gewinnen will“, sage ich.

Mein Sohn schweigt und denkt nach. „Macht ihm Skifahren denn keinen Spaß?“, fragt er weiter. „Äh, ich weiß nicht“, sage ich. „Aber ich glaube schon, sonst würde er ja nicht bei einem Rennen mitmachen. Da ist Skifahren fast so etwas wie sein Beruf, und deshalb denke ich, Skifahren macht ihm Spaß.“

Mein Sohn schweigt wieder. „Aber wenn es ihm doch Spaß macht, warum fährt er dann nicht langsamer, dann hat er doch viel länger was davon“, sagt er schließlich. „Aber wenn er langsam fährt, gewinnt er nicht“, sage ich.

Wir gucken und mümmeln und mein Sohn überlegt wieder. „Der Sebastian hat neulich in der Liga eine Schachpartie auf Zeit verloren“, sagt mein Sohn. „Echt?“, frage ich. „Ganz in echt“, sagt er, „wir haben im Training darüber gesprochen. Über zwei Stunden Bedenkzeit, und dann hat Sebastian auf Zeit verloren.“

Wieder rast ein Skifahrer die Piste hinunter. Die Zeit steht irgendwo bei 1 Minute, 46 Sekunden plus ein paar Hundertsteln und Tausendsteln. Mein Sohn schüttelt den Kopf. „Skifahren ist nichts für mich“, sagt er. „Da spiele ich lieber Schach, da hab' ich länger was davon. Vielleicht schaff' ich's ja auch mal so lange zu spielen wie Sebastian. Hey, Alter, eine Zwei-Stunden-Partie auf Zeit verlieren. - Sebastian ist ein echter Genießer.“

(von Christa Burkhardt)

 

 

 

13.10.2013

Wanderpokale

 

„Du, Mama, darf ich meinen Pokal eigentlich behalten?“, fragt mich mein Sohn. „Klar darfst du den behalten. Gut gespielt, ehrlich gewonnen, das ist deiner“, antworte ich. „Ist ja schließlich kein Wanderpokal“, tönt meine Tochter hinter ihrem Buch hervor.

„Was ist denn ein Wanderpokal?“, fragt mein Sohn. „Na, ein Pokal, den du nicht behalten darfst, sondern den du nach einer Weile wieder abgeben musst an den nächsten Sieger“, tönt es wieder aus dem Buch.

„So wie Lance Armstrong seine Siege bei der Tour de France?“, fragt mein Sohn weiter. „Naja“, versuche ich Zeit zu gewinnen. „Armstrong hat geschummelt“, tönt das Buch wieder. „Ach so, die Wanderpokale bekommen die Schummler, und die, die ehrlich spielen, dürfen ihre behalten“, sagt mein Sohn. „Naja“, sagte ich wieder.

Wie erklärt man einem Kind den Unterschied zwischen Lance Armstrong und einem Wanderpokal? Noch dazu wenn man nicht genau weiß, was auf dem Sofa liegende Buch-Expertinnen so alles ungefragt dazu zu sagen wissen?

„Manche Turniere gibt es jedes Jahr wieder. Und wenn dafür jemand einmal einen besonders hübschen oder kostbaren Pokal gestiftet hat, dann darf ihn der Sieger mitnehmen, aber nicht für immer behalten. Sondern eben nur ein Jahr, dann bekommt ihn der neue Sieger, verstehst du?“, frage ich meinen Sohn.

„Und weil er jedes Jahr von einem Sieger zum nächsten wandert, heißt er Wanderpokal“, tönt das Buch. Mein Sohn legt den Kopf schief. Das heißt, er denkt sehr angestrengt nach. Schließlich fragt er: „Was hat denn das mit Wandern zu tun, wenn so ein Pokal ein ganzes Jahr bei ein und demselben Sieger rumsteht und dann einmal weiter gegeben wird?“ Ich seufze.

„Irgendwie muss man ja erkennen, dass es kein Pokal zum Behalten, sondern einer zum Weitergeben ist, also hat man sich den Namen Wanderpokal ausgedacht“, tönt das Buch. „Leihpokal kann er ja schlecht heißen, weil man sich einen Pokal nicht ausleiht wie einen Radiergummi und Verdienstpokal kann er auch nicht heißen, weil das ja sonst bedeuten würde, dass du deinen Behalt-Pokal nicht verdient hast.“ Meine Tochter klappt das Buch zu.

„Und einen Rumsteh-Pokal will bestimmt keiner gewinnen“, sagt mein Sohn. „Eben“, sagt meine Tochter und springt auf. „Wanderpokal, der Name hat so etwas Sportliches, Aktives“, sagt sie. „Aber falsch ist er doch“, sagt mein Sohn. „Der Pokal?“, fragt meine Tochter. „Nein, der Name.“

„Ach so. Na, vielleicht wandert der Wanderpokal ja zwischendurch doch noch einmal, wenn der Sieger geschummelt hat wie Lance Armstrong.“ . Meine Tochter legt das Buch zur Seite.

„Mama, gibt es beim nächsten Schachturnier einen Wanderpokal?“, fragt mein Sohn. „Nein“, sage ich. „Dann spiele ich wieder mit. Weil mit so einem Hallodri-Pokal mit falschem Namen und mit Schummeleien will ich nichts zu tun haben.“

(von Christa Burkhardt)

 

 

 

24.11.2012

Ein misslungenes Bild

 

Gestern kam mein Sohn weinend aus der Schule. Keine schlechte Note, kein schmerzhafter Sturz vom Klettergerüst, kein Streit mit Thomas, mit dem er sonst immer streitet. Nein, der Religionsunterricht war schuld.

Da musste die ganze Klasse nämlich ein Bild malen, schluchzte mein Sohn. Ich wunderte mich. Eigentlich malt mein Sohn gern. Und im Gegensatz zu seinen Brüdern sogar sehr schön. Noch dazu für einen Jungen.

Als einer der Letzten war er fertig geworden, denn er hatte sich extra viel Zeit gelassen und Mühe gegeben. Es sollte ja ein schönes Bild werden. Wieder schluchzte er.

Die Lehrerin hatte eine Geschichte vorgelesen. Bauern auf dem Feld bei der Arbeit und zwei Reiter, die des Weges kamen und nach einem verwunschenen Turm in der Nähe fragten. Und so weiter. Und am Ende stellte sich heraus, dass einer der beiden ein echter König war.

„Na ja, und genau das hab' ich gemalt, aber dann hat die Lehrerin gesagt, das stimmt so nicht und ich soll es als Hausaufgabe noch einmal richtig malen“, schluchzte mein Sohn wieder.

Was war da nur schief gegangen? „Hast du dein Bild dabei?“, fragte ich ihn. Er nickte und angelte es aus seinem Ranzen. Es hatte ein paar Risse und mein Sohn hatte es zerknüllt vor lauter Ärger. Ich strich es glatt und schmunzelte.

Ein weißer und ein schwarzer Bauer standen einander auf e4 und e5 gegenüber. Im Hintergrund auf h4 bedrohte ein schwarzer Turm den weißen Bauern. Der war aber von einem Springer gedeckt. Trotzdem war die Situation brenzlig, denn im nächsten Zug hätte der weiße Springer König und Turm des Gegners gabeln können.

Auch mein großer Sohn warf einen Blick auf das Bild und sagte: „Du, Emil, die Menschen in der Bibel, die können alle kein Schach. Da kommen nur an einer Stelle ein paar vor, die spielen. Ich glaube, da würfeln sie gerade um den Mantel von irgendwem.“

(von Christa Burkhardt)


 

22.07.2012

Schlamperprinz und Schlamperkönig

 

Mein Schwager hat zwar keine Ahnung vom Schach, aber er hat drei Kinder.
Das heißt, er kennt sich aus mit neben die Garderobe geworfenen Jacken, unter das Sofa verirrte Socken und Kinderzimmern, die wegen des knöcheltiefen Bodensatzes nur schwer bis zur Mitte begehbar sind.

„Ich spiele einmal pro Woche Schlamperprinz“, sagt er, nachdem er einen kurzen Blick in das Zimmer meiner Tochter geworfen hat.
„Wie geht denn das?“, fragt sie. „Alles, was Samstag um 14 Uhr noch auf dem Boden liegt, sammle ich ein,
und der Besitzer bekommt es nur gegen eine kleine Gefälligkeit zurück.“

„Das ist ja Erpressung“, sagt sie. „Das schafft Ordnung“, sagt er.

'Vielleicht sollten wir auch so einen Schlamperprinzen einführen', denke ich gerade, als mein Schwager die Bauecke meines Dreijährigen im Wohnzimmer inspiziert.

„Ach, du Schande, das schafft ein Schlamperprinz ja gar nicht. Das einzige, was hier hilft, ist ein Schlamperkönig.“

Da hebt mein Sohn den Kopf und sagt:
„Ich lasse allerhöchstens einen Schlamperspringer hier rein, und du bist nur ein Schlamperläufer. Du schlurfst nämlich.“

(von Christa Burkhardt)

 

 

05.01.2012

De We Zedd - ENDLICH !!!

 

Heute Abend konnte mein Sohn nicht einschlafen. Dabei hatte er einen anstrengenden Tag hinter sich: Zum ersten Mal spielte er ein Schachturnier über sieben Runden und zwei Tage. Mit Stundenpartien und Aufschreiben und Gewitter und Schneesturm und ohne Mama und Papa. Denn die hüteten die kranken Geschwister.

„Mama, wann ist das nächste Schachturnier?“, fragte er, noch ehe er nach all der Aufregung Jacke und Schuhe ausgezogen hatte. „Äh“, sagte ich stümperhaft, denn ich hatte mit einem „Hallo“ oder einem „Ich bin Neunter“ oder einem „Ich hab’ verloren“ gerechnet. Irgendwie hatte ich sogar ein „Ich hab’ Hunger“ erwartet.

Aber nein. Mein Sohn kam nach zwei ereignisreichen Tagen in Schney nach Hause und fragte: „Mama, wann ist das nächste Schachturnier?“ Ich holte tief Luft, um Zeit zu gewinnen und sagte: „Das fragst du beim nächsten Schachtraining den Hans oder den Matthias, okay?“

Mein Sohn schüttelte heftig den Kopf und sprang dabei auf und ab. Die Stiefel noch an den Füßen.

Oho, dachte ich. Die Lage ist ernst. Auch wenn ich keine Ahnung habe, warum. Ich versuchte nach Kräften die feuchten Spritzer in der Garderobe zu übersehen und sah meinen Sohn erwartungsvoll an. – Und so geduldig wie ich konnte.

„Ich hab’ gegen den Tobias gewonnen“, brach es plötzlich aus ihm heraus. Ich atmete auf. So schlimm kann Gewinnen ja nicht sein, dachte ich. „Und jetzt krieg’ ich DeWeZett“, sagte mein Sohn.

Auch diese Nachricht fand ich nicht wirklich schlimm. Wer mindestens fünf DeWeZett-Partien gespielt und eine davon gewonnen hat, der kriegt nun mal DeWeZett. Das ist im Schach halt so, dachte ich. Und wer zehn Partien gegen Gegner mit DeWeZett gespielt hat und erst dann eine gewinnt, kriegt die DeWeZett halt später. Seit Monaten freut sich mein Sohn auf seine erste DWZ-Hausnummer. Jetzt hat er sie. Und nun das?

„Ja, und?“, fragte ich und zuckte die Schultern, „das ist doch toll.“ Energisch schüttelte mein Sohn den Kopf. „Ich hab’ gegen den Tobias gewonnen. Und der hatte schon DeWeZett, und jetzt hat er weniger DeWeZett, weil ich ihn geschlagen habe“, sagte mein Sohn traurig.

Ja, ja, schön sei das schon, endlich auch so eine DeWeZett-Hausnummer zu haben wie fast alle anderem aus dem Verein. Aber ausgerechnet gegen einen Vereinskameraden? Gegen einen Mannschaftskameraden im Schulschach? Gegen eine Trainingspartner? Gegen einen Freund? Gegen einen, den man nicht nur nett findet, sondern wirklich mag?

„Mama, wann ist das nächste Schachturnier?“, fragte mein Sohn noch beim Einschlafen und wälzte sich hin und her. „Vielleicht gewinnt dann der Tobias gegen mich und ist nicht mehr traurig. Und seine DeWeZett kriegt er auch zurück.“

Langsam strich ich meinem Sohn über das Haar und dachte an das erste Schachtraining nach den Ferien. „Keine Sorge“, sagte ich, „Tobias ist bestimmt nicht traurig. Die DeWeZett bleiben ja in der Familie.“

In der Schachfamilie Seubelsdorf.

(von Christa Burkhardt)

 

 

 

03.01.2012

Familienschach - Eine Mutter von vier Kindern erzählt (drei Kinder "Schachern" schon...)

 

Wochenlang wartete ich auf das erste Wort meines Sohnes. Er sagte „löblöblöbl“ oder „krrrrr“ und zahlreiche andere Dinge, die ich hier nur schwer wiedergeben kann. Aber er sagte kein Wort. Also keines, das ich verstanden hätte.

Wenn ihm etwas nicht passte, kreischte er. Wenn er etwas toll fand, gluckste er. Aber er sprach nicht mit mir.

Anders als meine Tochter. Die sagt häufig: „Mama, du bist doof.“ Da weiß ich doch gleich, woran ich bin.

Aber bei löböblöbl? Nun, gestern Abend war es soweit.

Die ganze Familie saß beim Essen, alle redeten durcheinander, hier ergoss sich ein kleiner Milchsee über den Tisch, dort schnappte ein Kind dem anderen die letzte Salamischeibe weg.
 
Da erhob sich mein Jüngster.

Entschlossen griff er zum Salzfass, schob es diagonal über den Tisch, vorbei an Wasserkaraffe, Pfeffermühle und Gurkenglas und stellte es geräuschvoll vor die Ketchupflasche. „Schach“, sagte er.

(von Christa Burkhardt)

 

 

  

Klaus Wiemann  | klaus@wiemann-ke.de